Zum Inhalt springen
>_<
AI EngineeringWiki

02.08.2026 — was am Enforcement-Start des EU AI Act passiert

Compliance · 10 min · Stand: Mai 2026

📋 Überblick
Am 2. August 2026 startet die vollständige Anwendung des EU AI Act. Ab diesem Tag können Behörden Strafen verhängen — bis zu EUR 35 Mio. oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist). Drei Pflichten greifen ab dann gleichzeitig: Governance-Strukturen (Notified Bodies, nationale Aufsicht), GPAI-Pflichten (General-Purpose AI Modelle) und der Strafrahmen für Art. 4 (KI-Kompetenz, gilt rechtlich bereits seit 02.02.2025). Wer KI im Unternehmen einsetzt, braucht bis dahin nachweisbare Schulung, ein KI-Inventar und einen dokumentierten Prozess für Risikoeinschätzung.

Hard Date: 2. August 2026 — Enforcement-Start nach Art. 113 lit. b der Verordnung (EU) 2024/1689. Diese Deadline lässt sich nicht verschieben durch nationale Verzögerungen.

Was ändert sich am 2. August 2026 konkret?

Bis dahin galten viele Teile des EU AI Act bereits — aber ohne aktiven Strafrahmen. Ab dem Enforcement-Datum greifen drei Blöcke parallel:

1. Governance-Strukturen werden operativ

  • Nationale Aufsichtsbehörden (Market Surveillance Authorities) müssen benannt sein
  • Notified Bodies für Konformitätsbewertung von High-Risk-Systemen sind akkreditiert
  • Das European AI Office (Brüssel) übernimmt die Aufsicht über General-Purpose AI
  • EU AI Board und Advisory Forum starten formell

2. GPAI-Pflichten (Art. 51-55) gelten verbindlich

  • Anbieter von General-Purpose AI Modellen (z.B. GPT, Llama, Mistral) müssen technische Dokumentation vorhalten
  • Modelle mit systemischem Risiko (FLOPS-Schwelle 10^25) brauchen zusätzliche Risikobewertung + Cybersicherheit-Nachweise
  • Transparenzpflicht: Trainings-Daten-Zusammenfassung muss veröffentlicht werden
  • Copyright-Compliance gegenüber EU-Urheberrecht (Text-und-Data-Mining-Opt-Out)

3. Strafrahmen für Art. 4 (KI-Kompetenz) wird durchsetzbar

  • Art. 4 (KI-Kompetenz) gilt rechtlich seit 02.02.2025 — aber ohne Strafdurchsetzung
  • Ab 02.08.2026: Behörden können Verstöße ahnden mit bis zu EUR 15 Mio. oder 3% Umsatz
  • Auch Art. 5 (Verbote) wird durchsetzbar mit bis zu EUR 35 Mio. oder 7% Umsatz

Wer ist betroffen?

RolleWas ab 02.08.2026 verpflichtend ist
KMU als DeployerNachweisbare KI-Kompetenz für alle Mitarbeitenden, die mit KI arbeiten. KI-Inventar pflichtig.
KMU als ProviderWer eigene KI-Funktionen in Produkten anbietet, braucht Risiko-Klassifizierung pro System.
GPAI-AnbieterVolle technische Dokumentation, Copyright-Statement, Trainingsdaten-Summary.
Behörden / öffentliche StellenZusätzlich: Fundamental-Rights-Impact-Assessment (Art. 27) für High-Risk-Systeme.

6 Schritte für KMUs bis zum 02.08.2026

  1. 1. KI-Inventar erstellen

    Welche KI-Tools werden eingesetzt? ChatGPT, Copilot, KI-Buchhaltung, KI-Übersetzer, Chatbot, Recruiting-KI — alles erfassen mit Hersteller, Zweck, Datenfluss.

  2. 2. Risikoklasse pro System bestimmen

    Verboten (Art. 5), High-Risk (Anhang III), Limited-Risk (Transparenzpflicht), Minimal-Risk. Vorlage: EU AI Act Risikoklassen.

  3. 3. KI-Kompetenz-Schulung dokumentieren

    Wer wurde wann zu welchem Thema geschult? Schulungsprotokolle, Teilnahmebestätigungen, jährliche Auffrischung.

  4. 4. Transparenz-Pflichten implementieren

    Chatbots, KI-generierte Inhalte (Bilder, Texte, Videos) sind kennzeichnungspflichtig. Disclaimer-Texte vorbereiten.

  5. 5. DPIA / Risikobewertung pro High-Risk-System

    Wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden: Datenschutz-Folgenabschätzung. Bei High-Risk-KI zusätzlich KI-spezifische Risikobewertung.

  6. 6. Menschliche Aufsicht sicherstellen

    Art. 14 verlangt für High-Risk: KI-Entscheidungen müssen von Menschen überprüft werden können. Eskalationspfade definieren.

Timeline bis Enforcement

DatumStatus
02.02.2025Art. 4 (KI-Kompetenz) + Art. 5 (Verbote) bereits in Kraft — ohne Strafdurchsetzung
02.08.2025Governance-Regeln + GPAI-Pflichten gelten
02.08.2026ENFORCEMENT-START — vollständige Anwendung, Strafrahmen aktiv
02.08.2027High-Risk-KI in regulierten Produkten (Anhang I) verpflichtend konform

Faustregel für KMUs: Wenn dein Unternehmen ChatGPT, Copilot oder vergleichbare KI-Tools im Arbeitsalltag nutzt, brauchst du bis zum 02.08.2026 mindestens: (a) ein dokumentiertes KI-Inventar, (b) Schulungsnachweise für alle Mitarbeitenden, (c) eine schriftliche Risikoeinschätzung pro System.

Häufige Missverständnisse

„Wir sind zu klein, das gilt nicht für uns."
Falsch. Es gibt keine KMU-Ausnahme von Art. 4. Reduzierte Strafhöchstbeträge ja, aber die Pflicht selbst gilt unabhängig von Unternehmensgröße.

„Wir nutzen nur ChatGPT, das ist doch kein KI-System nach AI Act."
Falsch. Sobald du ChatGPT geschäftlich einsetzt, bist du Deployer eines KI-Systems im Sinne der Verordnung — Art. 4 greift.

„Ein Online-Kurs reicht als Nachweis."
Nur teilweise. Der EU AI Act verlangt Schulung passend zur Rolle und zum Kontext — ein generischer 30-min-Kurs ist meist zu dünn. Buchhaltung, HR und Entwicklung brauchen unterschiedliche Inhalte.

„Erst wenn eine Behörde fragt, müssen wir reagieren."
Riskant. Bei einem Datenschutz-Vorfall mit KI-Beteiligung würde fehlende Dokumentation als verschärfender Umstand gewertet — auch ohne anlasslose Prüfung.

Was AI Engineering empfiehlt

Aus Sicht des AI Engineering Wiki ist die Reihenfolge wichtig: Erst das KI-Inventar, dann die Schulung, dann die Risikoeinschätzung. Wer mit der Risikobewertung beginnt, ohne zu wissen welche Systeme im Einsatz sind, dokumentiert auf Verdacht und verbringt mehr Zeit als nötig. Self-hosted Open-Source-Modelle (z.B. via Ollama) reduzieren die DSGVO-Last erheblich und vereinfachen die Risikobewertung — gleichzeitig bleibt die Pflicht zur KI-Kompetenz-Schulung bestehen, unabhängig vom Deployment-Ort.

Weitere Inhalte auf den AI Engineering Plattformen

Quellen

War dieser Artikel hilfreich?

Nächster Schritt: Compliance in den Betrieb bringen

Nutze fertige DSGVO-Templates, Checklisten und Praxis-Guides für AI-Systeme, die dokumentiert und auditierbar sein müssen.

Warum AI Engineering
  • Lokal und self-hosted gedacht
  • Dokumentiert und auditierbar
  • Aus eigener Runtime entwickelt
  • Made in Austria
Kein Ersatz für Rechtsberatung.