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EDPS Guidelines — der EU-Datenschutzbeauftragte zu KI

Compliance · 8 min · Stand: Mai 2026

📋 Überblick
Der European Data Protection Supervisor (EDPS) ist die unabhängige Datenschutzbehörde der EU-Institutionen. Seine Guidelines zu generativer KI und KI-Systemen sind formal nur für EU-Organe verbindlich, gelten aber als De-facto-Maßstab für alle europäischen Aufsichtsbehörden (inkl. österreichische DSB, deutsche LfDIs, schweizer EDÖB für EU-Berührungspunkte). Wer Generative-KI DSGVO-konform einsetzen will, sollte die EDPS-Empfehlungen kennen — sie sind praxisnaher als der Verordnungstext selbst.

Wer ist der EDPS?

Der European Data Protection Supervisor wurde 2004 eingerichtet. Aufgaben: (a) Überwachung des Datenschutzes innerhalb der EU-Institutionen (Kommission, Parlament, Rat, Agenturen), (b) Beratung des EU-Gesetzgebers bei datenschutzrelevanten Vorhaben, (c) Veröffentlichung von Leitlinien und Stellungnahmen. Sitz: Brüssel. Aktueller Supervisor (Stand 2026): Wojciech Wiewiórowski.

Welche EDPS-Dokumente sind relevant für KI?

DokumentWorum es geht
Generative AI & EUDPR Orientations (2024)Praxisleitfaden für den DSGVO-konformen Einsatz generativer KI in EU-Institutionen — gilt analog für jeden EU-Verantwortlichen.
TechDispatch on Generative AITechnische Analyse: Wie generative Modelle personenbezogene Daten verarbeiten und welche Datenschutz-Risiken entstehen.
Opinion on the EU AI Act ProposalEDPS-Stellungnahme zum Verordnungsentwurf — kritisch zu Lücken bei Grundrechten und Massenüberwachung.
Joint Opinion EDPB-EDPSGemeinsame Stellungnahme mit dem European Data Protection Board zum Zusammenspiel von DSGVO und EU AI Act.

Die 10 Praxis-Empfehlungen des EDPS

Aus den „Generative AI & EUDPR Orientations" lassen sich die zentralen Empfehlungen herausfiltern. Sie sind für KMUs direkt anwendbar:

1. DPIA vor Einsatz

Vor dem Einsatz generativer KI: Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen. Auch bei „nur internem" Einsatz, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden.

2. Rechtsgrundlage explizit dokumentieren

Art. 6 DSGVO — auf welcher Grundlage werden Daten zu KI-Prompts? Berechtigtes Interesse, Einwilligung, Vertragserfüllung. Pauschale Begründungen reichen nicht.

3. Datenminimierung im Prompt

Keine personenbezogenen Daten in Prompts ohne Notwendigkeit. Pseudonymisierung wo möglich. Mitarbeitende schulen, keine Kundendaten in ChatGPT zu kopieren.

4. Transparenz gegenüber Betroffenen

Datenschutzerklärung muss KI-Nutzung benennen. Wer wird mit welchen Daten gegenüber welchem Anbieter geprompted? Klare Sprache, keine Formulierungs-Floskeln.

5. Sub-Auftragsverarbeiter erfassen

Welche Sub-Provider nutzt der KI-Anbieter? Azure-OpenAI über Microsoft, OpenAI direkt, Anthropic via Bedrock — Datenfluss-Diagramme erstellen.

6. Drittlandtransfer prüfen

US-Anbieter: TADPF (Trans-Atlantic Data Privacy Framework) prüfen. Bei Nicht-Beitritt: SCC plus zusätzliche Maßnahmen nach Schrems-II-Doktrin.

7. Aufbewahrung und Löschung

Wie lange speichert der Anbieter Prompts und Outputs? Gibt es ein Opt-Out für Training auf Nutzerdaten? Schriftlich fixieren.

8. Betroffenenrechte sicherstellen

Auskunft, Berichtigung, Löschung — wie umgesetzt bei einem Modell, das Daten in Gewichten gespeichert hat? Prozess vor Einsatz dokumentieren.

9. Menschliche Aufsicht über KI-Outputs

Keine automatisierten Entscheidungen mit rechtlicher Wirkung allein durch KI (Art. 22 DSGVO). Review-Schritte einbauen, Eskalationspfade dokumentieren.

10. Schulung und Awareness

Mitarbeitende müssen Risiken kennen — Halluzinationen, Bias, Datenleck. Deckt sich mit Art. 4 EU AI Act (KI-Kompetenz).

Warum sind EDPS-Guidelines auch für KMUs relevant?

Formal richten sich die Guidelines an EU-Institutionen — KMUs unterliegen der nationalen Aufsichtsbehörde (DSB in Österreich, LfDI/BfDI in Deutschland, EDÖB in der Schweiz für EU-Berührungspunkte). Praktisch orientieren sich diese Behörden aber an den EDPS-Veröffentlichungen, und die Guidelines sind oft die einzige zugängliche Konkretisierung dessen, was „DSGVO-konformer KI-Einsatz" bedeutet.

Wer im Audit gegenüber einer nationalen Aufsichtsbehörde nachweisen kann, dass die EDPS-Empfehlungen berücksichtigt wurden, hat einen starken Argumentationsboden.

Zusammenspiel mit dem EU AI Act

AspektDSGVO + EDPSEU AI Act
FokusPersonenbezogene DatenKI-Systeme als Produkt
Risiko-LogikRisiko für Rechte/Freiheiten BetroffenerRisikoklassen (Verboten/High/Limited/Minimal)
InstrumentDPIA (Art. 35 DSGVO)Konformitätsbewertung + FRIA (Art. 27 für Behörden)
StrafrahmenEUR 20 Mio. oder 4% UmsatzEUR 35 Mio. oder 7% Umsatz (Art. 5)
SynergienDatenschutz-PflichtenDPIA kann mit KI-Risikobewertung kombiniert werden

Praxis-Empfehlung

Für KMUs: Die EDPS-Orientations zu Generative AI als Pflichtlektüre für den Datenschutzbeauftragten oder die compliance-verantwortliche Person. Ergänzend zu den nationalen Auslegungen der DSB (Österreich) bzw. LfDIs (Deutschland) und zu den Konkretisierungen des European Data Protection Board (EDPB).

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Quellen

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